HUNDEZONE e.V.

Waldspaziergänge - wie verhalte ich mich mit meinem Hund?
Datum: 07.03.2006, 09:42:15
Thema: Hund&Mensch


Autor: Manfred Ziegler

Als erstes möchte ich mich hier bei dem zuständigen Förster Herrn Ulrich für ein sehr lehrreiches und aufklärendes Gespräch bedanken. Herr Ulrich ist zuständig für das Revier Zerzabelshof mit dem Wald hinter dem Tiergarten Richtung Fischbach und Laufamholz.

Gerade dort finden die häufigsten Hundespaziergänge statt. In den anderen Gebieten wie Schwaig oder im Waldrevier Richtung Ungelstetten treten natürlich in ähnlichem Umfang die gleichen Probleme auf.
Der Grund meiner Recherchen liegt in zwei Geschichten. Eine, dass mein Hund „Mike“ vor einigen Wochen das erste Mal ausbüchste weil er eine Wildschweinspur aufnahm. Nach ca. 1 Minute und in schätzungsweise 50 -70 Meter Entfernung hörte ich meinen Hund schmerzerfüllt schreien. Sofort lief ich durch dichtes Gestrüpp und tiefen Moos hinterher, kam aber nicht weit, weil ein Wildschwein genau vor mir lag und keine Anstalten machte wegzulaufen. Ich zog sehr schnell den Rückzug vor und lief einen anderen Weg in Richtung der vorher gehörten Schreie. Ein entgegenkommender Jogger sagte mir, er habe ein Wildschwein aus dem Gebüsch rennen sehen. So musste ich vermuten, dass mein Hund das Wild weiterverfolgte. Nach schätzungsweise 10 Minuten kam mein Hund auf seiner eigenen Spur zurück. Total erschöpft, aber leider sehr glücklich. Ich war auch überglücklich meinen Hund zurück zu haben, denn während seiner Jagd hatte ich noch andere Horrorvisionen.



Wegen des Wildschweins, das liegen blieb als ich fast auf es trat, rief ich den Förster Herrn van der Sandt an, da er Herrn Ulrich an diesem Tag vertreten hat, denn ich vermutete das Schwein könne krank sein. Wir verabredeten uns damit ich ihm die Stelle zeige und er eventuell eingreifen kann bei Krankheit oder Verletzung.

Unter dem Trauma der zweiten Geschichte, obwohl knapp 14 Monate vergangen, leide ich heute noch. Mein wundervoller Hund „Hugo“ und ich waren im Wald am Birkensee schon 2 ½ Stunden unterwegs, durch einen Anruf war ich abgelenkt, er nahm eine Spur auf und war weg. Wir waren noch mehr als 3 Kilometer von Straßen entfernt. Nach ca. 30 Minuten warten rief ich die Polizei an, und bat sofort benachrichtigt zu werden, wenn er gesichtet würde. Ich suchte noch 4 Stunden, blieb aber nicht immer an der gleichen Stelle. Vielleicht kam mein Hund zurück, fand mich nicht, weil ich in der Gegend suchte. Er lief zum Auto und wurde dort auf der Straße vor dem Parkplatz überfahren. Nach diesen 4 Stunden rief mich die Polizei an und berichtete mir, er sei gerade überfahren worden. Auch hier war es das erste Mal, denn meine Hunde hören auf den Befehl „Hier“ fast 100% - aber nur „fast“, das reicht nicht.

Wie oft hören wir von Hundehaltern „Das ist das erste Mal“. Zum großen Glück endet ein großer Teil damit, dass der Hund gefunden wird. Aber zahlreiche Autounfälle und ca. 30.000 Abschüsse von Hunden in Deutschland belegen, dass es viele Tausende Male das erste Mal ist.


Hugo-ein richtiger Freund




Ich, als erfahrener Fachmann für Hunde hätte es können verhindern, denn das erste Mal darf nicht geschehen. Dafür übernehme ich die Verantwortung und trauere um meinen Hund „ Hugo“.
Die Sätze von Hundehaltern, „das hat er noch nie getan, das ist das erste Mal“ ist nur eine Verlagerung der Verantwortung.

Als Hundehalter habe ich die Verantwortung, meinen Hund und meine Mitmenschen vor Schaden zu bewahren!


Nun aber zu dem Verhalten im Wald.

Es gibt dort keinen Leinenzwang. Hunde dürfen erfreulicherweise frei laufen. Es gibt aber natürlich Jagdgesetze die besagen, der Hund müsse im Einflussbereich seines Halters sein. Dies befürworten wir, die Mitglieder des Vereins „Hundezone e.V.“ ohne Abstriche!

Einige Probleme im Waldgebiet sind in vielen Dingen ähnlich den Problemen in anderen Gegenden wo Hundhalter und Nicht–Hundehalter zusammenkommen.

Wenn ich Jogger, Spaziergänger oder Kinder sehe, rufe ich meinen Hund zu mir da ich nicht weiß, ob der oder die Entgegenkommenden vielleicht Angst vor Hunden haben. Diese Menschen haben auch ein Recht, den Wald zu genießen ohne Ängste auszustehen. Auch wenn ich den bravsten Hund habe. Das wissen diese Leute ja nicht. Gerade auch hinter dem Tiergarten sind wegen des Altenheims oft ältere Menschen unterwegs, die durch körperliche Gebrechen noch etwas mehr Rücksichtnahme verlangen können.

Wenn ich Hunde an der Leine sehe rufe ich selbstverständlich meinen Hund zu mir, da der andere Hundhalter wohl einen Grund hat, seinen Hund an der Leine zu führen, sei es, dass er aggressiv gegen andere Hunde ist oder vielleicht krank oder eine läufige Hündin ist.
Vielleicht ist es auch ein verantwortungsvoller Hundehalter, der im Wald seinen Hund nicht ableinen kann, weil er sonst sofort auf Jagd geht.

Wild in unserem Wald rund um Nürnberg.

Wildschweine, Rehe und unter den Vögeln die Bodenbrüter kommen sehr häufig vor. Natürlich auch anderes Kleinwild und verschiedene Vogelarten.
Diese Tiere haben sich an die häufigen Waldbesucher gewöhnt und sind oft nur wenige Meter von den Wegen entfernt, empfinden aber durch die Gewöhnung die Menschen, die Geräusche und Gerüche nicht mehr als große Störung. Somit wird nicht mehr unbedingt ein frühzeitiges Fluchtverhalten ausgelöst.
In einem Artikel der Abendzeitung als Leserbrief habe ich einmal behauptet, dass die meisten Hunde ein Reh nicht reißen können weil ein Reh fast immer schneller ist. Dazu stehe ich auch heute noch, aber einige Fakten habe ich nicht bedacht, die mir jetzt in Gesprächen mit Forstbeamten vermittelt wurden.

Rehe
In einigen Waldgebieten, wie auch hinter dem Zoo, gibt es einige Zäune oder andere Hindernisse, welche die Gebiete teilen. Bei einer Hatz auf ein Reh ist es durchaus möglich und auch schon vorgekommen, dass Rehe in ihrem panischen Fluchtverhalten von Hunden in diese Zäune getrieben wurden und sich verletzt haben. Selbst wenn der Hund das Reh nicht reißen kann ist es doch sehr gut möglich, das dieses an seinen Verletzungen verendet.

Dies ist ein sehr wichtiger Grund, seinen Hund immer unter Kontrolle zu haben und keine Hetzjagd auf Rehe veranstalten zu lassen.
Wenn Ihr den begründeten Verdacht habt, Euer Hund könnte ein Tier gerissen oder verwundet haben, habt bitte den Mut das Forstamt anzurufen, die Situation zu erklären, damit der Förster eine Möglichkeit hat, das Tier zu erlösen. Es ist nicht fair, ein Reh qualvoll verenden zu lassen.
Wir haben, wie ich feststellen durfte, in unserem Gebiet keine schießwütigen Jäger, keinen der gerne einen Hund erschießt, aber nach den Jagdgesetzen hat er das Recht, wenn nicht gar die Pflicht dazu.

In der Zeit wo Rehe ihr Kitz aufziehen ist es besonders gefährlich für die Kleinen, denn ein Hund kann durchaus ein Rehkitz schlagen, ohne dass der Besitzer es merkt. Der Hundeführer läuft ja nicht in den Wald um zu sehen was sein Hund so getrieben hat während seiner Abwesenheit.

Nun sollte man meinen, dass ein kleiner Hund, der entlaufen ist, keine Chance hat ein Reh zu reißen, aber was genauso schlimm oder sogar noch gefährlicher für das Reh ist, ist wenn der kleine Hund sich auf die Spur heftet und das Reh immer wieder aufscheucht und es somit, in einen für das Reh lebensgefährlichen Dauerstress versetzt. Also bitte liebe Hundehalter kleiner Jagdrassen, glaubt nicht, Euer Hund könne keiner Maus etwas zuleide tun. Das stimmt nicht. Er kann sogar ein Reh durch den ausgelösten Dauerstress umbringen.
Ein großer Hund macht eine Hetzjagd und gibt dann nach ungefähr 10 Minuten auf, fast nie kann er das Wild schlagen, außer es rennt panikartig in ein Hindernis, vielleicht auch in ein Auto auf den nicht weit entfernten Straßen, was in diesen Waldabschnitten möglich ist. Dann sind sogar noch andere Menschen gefährdet.
Somit ist der kleine Hund mindestens genauso gefährlich wie ein großer.

Bodenbrüter
Ein kleiner Hund kann genau wie ein großer die zahlreichen Bodenbrüter unter den Vögeln stören, die Eier vernichten oder den Vogel so stören, dass er den Brutvorgang nicht fortsetzt oder zu lange unterbricht, die Eier auskühlen und absterben.
Gerade als Hundehalter wollen wir die Natur schützen.

Wildschweine
Die sind nun ein besonderes Thema. Wildschweine haben sich hier in unserer Gegend so an Menschen gewöhnt, dass sie kaum noch weglaufen und oft nur 10 oder 20 Meter entfernt von gut begangenen Wegen im Dickicht stehen, ohne das wir sie sehen können. Unser Hunde riechen die aber sofort und solch eine Spur ist heiß. In der Regel werden Wildschweine keine Menschen angreifen, auch keine Hunde. Wenn aber ein Hund ein Wildschwein stellt und das Tier keinen Fluchtweg hat wird es den Hund angreifen. Ein normaler einzelner Hund hat gegen ein Wildschwein kaum eine Chance und die Möglichkeit von gravierenden Verletzungen bis hin zum Tod des Hundes sind durchaus gegeben.
In Zeiten wo Wildschweine Frischlinge haben, können sie nicht so schnell vor einem Hund fliehen und seid Euch sicher sie werden ihre Jungen vehement verteidigen.
Obwohl im Jahr 2004 ca. 250 Wildschweine geschossen wurden, ist noch ein großer Bestand von vielleicht weiteren 250 oder mehr in unseren stadtnahen Wäldern. Eine genauere Zählung von Wildtieren ist fast unmöglich, da sie nicht gekennzeichnet sind.
Dies ist trotz Abschüssen ein hoher Bestand und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund auf ein Wildschwein trifft, ist sehr groß.

Denkt an Euren Hund, schränkt sein Jagen ein, Verletzungen kosten Euch beim Tierarzt viel Geld und möglicherweise dem Hund das Leben. Ich kenne persönlich 3 Hunde, die solch schmerzhafte Erfahrungen mit Wildschweinen machten und große Narben als Andenken haben.
Etwas Erziehung hilft schon, um ein generelles Jagen zu verhindern. Sollte es Euch nicht gelingen den Jagdtrieb einzuschränken, geht zu einem guten Hundetrainer oder Ihr müsst den Hund konsequent an der Leine führen.

Vollkommen unverständlich ist mir die Haltung einiger Hundehalter, die solche Gefahren nicht wahrhaben wollen. Erst gestern kam mir eine Frau in diesem Wald mit Leine entgegen und auf meine Frage wo ihr Hund sei meinte sie, er streune nur im Wald herum, er käme schon wieder zurück. Das mache der Hund oft. Während der Unterhaltung kam der Hund hechelnd und man konnte sehen, dass er etwas verfolgt hatte.

Herr Ulrich erzählte mir, es gäbe sogar Leute, die ihre Hunde aus dem Auto lassen, selbst darin sitzen bleiben, während die Hunde alleine im Wald herumlaufen.

Wollen wir denn wegen solch unvernünftigen, ja rücksichtslosen Hundehaltern irgendwann auch noch Leinenzwang im Wald?

Ich fordere alle Euch tierliebe und verantwortungsvolle Hundbesitzer auf, mit solchen Leuten zu reden wenn Ihr so etwas seht, denn wenn sie es oft genug hören, lernen sie es vielleicht.
Wir alle leiden unter solcher Unvernunft, denn unser Freiheitsrahmen wird vielleicht wegen solch Unverantwortlichen irgendwann weiter eingeschränkt. Dann können wir auch nicht sagen, es wären ja nur die andern gewesen. Wir müssen aktiv etwas dagegen tun wenn wir solche Handlungen sehen.

Liebe zur Natur und Tierliebe sollte sich wirklich nicht nur auf unseren Hund beschränken. Alle Tiere haben ein Recht auf unversehrtes Leben.

Ich habe schon öfter das Argument gehört, dass die Jäger die Rehe sowieso auch töten. So habe ich früher auch gedacht, aber dies gibt uns keinen Freibrief, die Hunde jagen zu lassen. Verurteilen wir also nicht die Jäger, wenn sie einen wildernden Hund wirklich erschießen, sondern übernehmen Verantwortung und erziehen unseren Hund.
Es ist immer möglich, dass sich ein Hund zu einer kurzen Hatz hinreisen lässt, dies ist Hundenatur, wir sollten aber darauf achten, wo er das macht, damit er nicht in Gefahr läuft. Es ist ein Unterschied, ob der Hund auf einem Feld wo man ihn gut sehen umherrennt oder ob er in einem Wald mit Wildschweinen entwischt und eine befahrene Straße wie die Regensburger Straße in der Nähe ist.

Die Gefahren für Hunde die jagen liegen auch auf der Hand. Verletzungen durch Wildschweine, verlaufen auf befahrene Straßen und getötet werden oder einfach den Rückweg nicht mehr finden, sind durchaus im Rahmen des Möglichen. Nicht auszuschließen ist auch ein Abschuss obwohl wir nette tierfreundliche Jäger hier bei uns haben.
In einem Artikel, der in Kürze erscheint, werden wir Tips verraten wie man seinem Hund das Jagen abgewöhnen kann und was zu tun ist, wenn er in einer angemessenen Zeit nicht zurück kommt.

Autor: Manfred Ziegler










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